Was ist Falknerei

Falknerei - oder im engeren Sinne des Wortes Beizjagd - ist per Definition
die Jagd mit einem abgetragenen Greifvogel auf freilebendes Wild.

 
 
  

Das Abtragen ist ein uraltes Handwerk, die hohe Kunst mit abgetragenen Greifvögeln zu jagen. Die Greifvögel die heute ausgebildet werden stammen aus Nachzuchten der Falkner. Die Basis für die Ausbildung eines Greifvogels ist (und zugleich die wichtigste Voraussetzung) ein Vertrauensverhältnis zwischen Vogel und Mensch zu schaffen. Das Abtragen (Vertrauen durch tragen herstellen) hat nichts mit Dressur oder Abrichtung zu tun - das Vertrauen eines Greifvogels kann niemals durch Zwang, Strafen oder Sanktionen erfolgen. Ein Greifvogel würde das niemals verstehen, da er sich nicht unterordnen lässt. Entscheidend ist das Lernen und Hinführen zum Erfolg. Der Falkner führt den Vogel in ein Stadium der Akzeptanz, das der Mensch für ihn nicht gefährlich ist, sondern das eine Verbindung mit ihm von Nutzen ist. Der Falkner bindet den Vogel dadurch an sich, indem er ihn immer wieder die Freiheit gibt, aus der er freiwillig zum Falkner zurückkehrt. Ein auszubildender Greifvogel wird Schritt für Schritt ans Ziel herangeführt. Wichtig ist ein hohes Einfühlungsvermögen, Geduld und eine gute Beobachtungsgabe.

Das Mittelalter war das Goldene Zeitalter der Falknerei

Das Buch "de arte venadi cum avibus" - (von der Kunst mit Greifvögeln zu jagen), von Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen (liebevoll auch der Falkenkaiser genannt) im 1200 Jh.n.Ch. geschrieben, gilt heute allen Falknern als Standardwerk und ist das wertvollste Dokument in der europäischen Geistes und Zeitgeschichte. Sie wird auch die Bibel der Falkner genannt. Das Buch diente auch Kaiser Maximilian.

Beizjagd

Die Beizjagd ist, den Greifvogel Beute machen lassen in seinem natürlichen Lebensraum auf Wild, wo die Chancen auf beiden Seiten gleich sind. Sie ist eine der ältesten und edelsten Jagdarten überhaupt. Sie wird in fast allen Ländern der Welt in Ihrer ursprünglichen Form ausgeübt. Diese Jagdart ist naturgetreu und ökologisch, eine stille Jagd, welche in der Bevölkerung große Zustimmung findet.

Bei dieser Jagd zählt nicht ein zahlenmäßiger hoher Jagderfolg sondern das ideelle Erlebnis ist zentrales Thema für den Falkner. Während Hunde die Aufgabe haben das Wild zu suchen, vorzustehen oder aufstöbern liegt es am Falkner seinen optimal ernährten und trainierten Beizvogel in eine günstige Position zu bringen.

Den weiteren Verlauf einer Beizjagd bestimmen dann Kraft, Geschicklichkeit und Ausdauer von Beute und Beizvogel. Nicht menschliche sondern physische Gesetze bestimmen den Ablauf einer Jagd. Sie dient einzig allein dem Nahrungserwerb des Menschen. Wild das eines der gesündesten und wertvollsten Nahrungsmittel ist. Sie nützt den Menschen auch zur Sicherheit auf Flughäfen durch die Gefahr von Vogelschlag in Triebwerken von Flugzeugen. So halten Falkner mit Jagdfalken die Vogelschwärme von Flugzeugen aber auch von Regierungsgebäuden oder Historischen Gebäuden fern.

Der Falkner

Wichtig ist ein hohes Einfühlungsvermögen, Geduld und eine gute Beobachtungsgabe. Nur dem der zu Schauen gelernt hat, offenbart sich die Natur von ihrer schönsten Seite. Er muss die Tiere sehr lieben, sich für sie Interessieren und gut und freundlich zu ihnen sein. Der Falkner ist Jäger in der ursprünglichsten Form. Er ist ein bescheidener Jäger. Für ihn zählt nicht der zahlenmäßig hohe Jagderfolg, sondern das ideelle Ergebnis ist zentrales Thema. Falkner bekommen vom Falkenmeister Titel wie "Falkner" und "Oberfalkner" für ihre Leistungen überreicht. Über den Falkenmeister und den Oberfalkenmeister entscheidet ein höheres Gremium. Falkner Unterliegen einen strengen Ehrenkodex. Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen meinte: der Falkner ist der vollkommenste Mensch. Von der Freundschaft mit einem Vogel zur edlen Jagdkunst zum Weltkulturerbe.


Greifvogelhaltung

Mit dem Aufkommen der ersten Zuchtvögel (Anfang der 70er Jahre) änderte sich auch die Greifvogelhaltung. Die Vögel sollten (bzw. durften) nun nicht mehr fliegen gelassen werden. Einmal gezüchtet, hatte der Falke (als Beispiel) nun sein Leben lang in Falknershand zu verbringen, ausgenommen der Vögel, die über Auswilderungsprojekte der Natur zugeführt wurden. Dies bedingte neue Haltungsformen, wie zum Beispiel die Mauserkammer oder die Flugdrahtanlage, und sichere Haltungsmethoden, wie zum Beispiel das Aylmerigeschüh oder die Bogenreck.

Wesentlichen Einfluß auf das moderne Beizvogelmanagement nahm auch die moderne Verhaltenswissenschaft und hier insbesondere unser vermehrtes Wissen um das Lernverhalten von Wildtieren, auf dem Gebiet der GreifVögel 
maßgeblich initiiert, durchgeführt und erworben von Falknern selbst. Der modernen Verhaltenswissenschaft verdankt die Falknerei auch ihre bedeutendste Innovation der letzten 800 Jahre (= seit Einführung der Falkenhaube nach Europa durch Kaiser Friedrich II. um das Jahr 1230): die Telemetrie. Die Möglichkeit der Funkortung des Beizvogels über einen Minipeilsender revolutionierte (seit Mitte der 70er Jahre) nicht nur den praktischen Beizbetrieb, sondern auch die Greifvogelhaltung insgesamt, insofern als sie einen nahezu restriktionsfreien Umgang mit dem Greifvogel ermöglichte. In der modernen Falknerpraxis ist das Hungernlassen, wie man es früher aus Unwissenheit praktizierte, um den Greifvogel "gefügig" zu machen, lange Vergangenheit. Im Gegenteil: der moderne Falkner strebt nach dem optimal ernährten und trainierten Greifvogel, der seinen Artgenossen in der Natur gleichkommt. Das Abtragen basiert heute auf den Grundsätzen der operanten Konditionierung, dem Lernen am Erfolg.

Die Greifvogelhaltung ist seit vielen Jahren die am stärksten staatlich kontrollierte Tierhaltung überhaupt. Nicht nur wird vom Greifvogelhalter ein besonderer Sachkundenachweis gefordert (=Falknerprüfung), auch die Haltungseinrichtungen sind genehmigungspflichtig. Dies alles wird von den Falknerverbänden begrüßt, handelt es sich bei Greifvögeln doch um Wildtiere, an deren Haltung, Pflege und Versorgung besonders hohe Ansprüche zu stellen sind.